JESUS CHRISTUS SPRICHT: WER ZU MIR KOMMT, DEN WERDE ICH NICHT ABWEISEN.

Johannes 6,37 | BasisBibel | © 2021 Deutsche Bibelgesellschaft

Präses Ansgar Hörsting zur Jahreslosung 2022

Ein Antrag bei der Krankenkasse kann abgewiesen werden. Oder der Versuch, sich dem Menschen
anzunähern, in den man sich so sehr verliebt hat! Jede Abweisung ist eine harte, manchmal sogar
demütigende, aber immer ernüchternde Erfahrung. Niemand wird sie bei Jesus machen! Das ist
durch und durch gute Nachricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Es wird nicht
geschehen – hier steht es schwarz auf weiß. Niemand wird von Jesus abgewiesen. Ich muss es
wiederholen: niemand. Das muss ich deswegen so sehr betonen, weil wir manchmal eine
unsichtbare, aber wirksame gegenteilige Botschaft mit uns herumtragen.

Diese lautet: „Ja, aber …“ „Ja, aber der oder die sind so schlecht und so übel, die haben Gottes
Gnade nun wirklich verspielt.“ Oder wir sagen über uns selbst: „Ja, aber vielleicht bin ich aber doch
der einzige Mensch, der abgewiesen wird. Ich bin zu schlecht. Bei mir hat Gott die Geduld verloren.
Er muss sie verloren haben.“ Depressive Menschen neigen zu dieser Sicht oder Menschen, deren
Selbstbewusstsein ganz am Boden liegt. Oder solche, die sich so sehr in Schuld verstrickt haben,
dass es ihnen unmöglich erscheint, Vergebung zu bekommen.

Doch genau dagegen setze ich das Wort Gottes: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen!“
Dieser Satz strahlt als befreiende Botschaft ins Gefängnis der Schuld, Ablehnung und
Selbstzermarterung. Er ist, wie Martin Luther es über das Evangelium sagte, „gute Botschaft, gute
Mär, gut Geschrei, davon man singet, saget und fröhlich ist.“

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Inspirierend weitersagen

„Evangelium inspirierend weitersagen – Es ist mir eine Ehre“ Unter dieses FeG-Jahresthema stellt
der Bund Freier evangelischer Gemeinden (FeG) das Jahr 2022. Das ist es, worum es geht. Das
dürfen wir sagen und dann einladen, dass Menschen zu Jesus kommen. Denn das sollen sie ja. Der
Glaube an ihn ist kein Automatismus, keine Zwangsbeglückung. Und dieser Jesus Christus hat die
Autorität und die Liebe, solche Dinge zu sagen: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen!“
Und sie stehen fest. Wie gut, dass wir das einfach weitersagen können.

Für Menschen, die tiefer bohren wollen, lohnt sich ein Blick ins gesamte Kapitel sechs des
Johannesevangeliums. Denn dort erfahren wir, mit welchem Anspruch Jesus auftrat. „Ich bin das
Brot des Lebens!“ Seine Zuhörer damals waren entsetzt über diese in ihren Ohren maßlose
Selbstüberschätzung. Jesus nennt auch einen tieferen Grund dafür, dass er niemanden abweisen
wird: weil der Vater sie ihm gegeben hat (Vers 36), weil der Vater sie zieht (Vers 44). Menschen
sollen also kommen, aber sie können nur kommen, weil der Vater sie zieht bzw. weil er sie Jesus
gibt. Da regt sich Protest. Nicht erst heute im 21. Jahrhundert, sondern schon damals. „Viele nun
von seinen Jüngern (!) die es gehört hatten, sprachen: ‚Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?‘“
Sie murrten (Vers 41, Vers 61).

Aber anstatt die Sache kommunikationstechnisch etwas abzufedern, wiederholt Jesus es noch mal:
„Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn von dem Vater gegeben.“ (Vers 65). Ja, muss das
denn sein? Muss man so nachkarren? Jeder Werbefachmann hätte Jesus empfohlen, etwas
geschmeidiger aufzutreten. Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten: „Von da an gingen viele
seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm.“ (Vers 66)

Jesus im Fokus

Ich bin der Überzeugung, dass es für uns heute noch schwieriger ist, solche Worte zu akzeptieren.
Mir fällt es selbst auch entsetzlich schwer. Ich kann das nur hören im Vertrauen, dass Gott gut ist,
dass er souverän ist, und dass er in Jesus alles getan hat, um mich zu retten und mich zu ziehen.
Ich kann es nur hören, wenn ich vertrauen kann: Er zieht ja ständig. Er lockt und wirbt und schiebt.
Dann komme ich zu Jesus – und werde niemals abgewiesen. Und diese Botschaft gilt allen
Menschen.

Diese gute Nachricht birgt also auch eine Zumutung. Aber im Kern wird dadurch unser Glaube fest.
Wir glauben nicht an einen Gott, der unsere Vorstellungen erfüllt. Denn der könnte nicht halten,
wenn das Leben schwankt. Wir glauben an einen Gott, der größer ist. Und das gilt es weiterzusagen.

Erst mit dieser schwer verdaulichen Botschaft bekommt die Nachricht eine tiefere Bedeutung. Denn
Glaube ist keine Verfügungsmasse, sondern Geschenk, Wunder und Überraschung. Glaube ist kein
Business, keine Marketingstrategie, kein Werben um die besten Slogans, sondern Gottes Wille,
Gottes Wirken und der Beginn einer ewigen Beziehung zu ihm! Wir sagen: „Papa, Vater“.

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Einladen zu Jesus

Ich steige auf aus den tieferen Schichten des Textes und erblicke mit neuer Klarheit, mit geradezu
durchlittenem und geläutertem Glauben den Satz: „Wer zu Jesus kommt, den wird er nicht
abweisen.“ Und ich singe und sage davon weiter – und bin fröhlich. Mein Schlusswort steht umso
fester: Komm zu Jesus. Tu es. Bete ihn an. Bete zu ihm und gib ihm Dein Leben. Er ist es wert und
du bist es wert. Niemand wird von ihm abgewiesen.

 

Ansgar Hörsting | Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden | praeses.feg.de

Ansgar Hörsting, Foto: Bund FeG