Gott spricht: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

Jesaja 66,13

Ich brauche Trost. Zum Beispiel, wenn ich frustriert bin, weil ich mich bis zum Umfallen engagiert habe und es danach vor allem Kritik hagelt. Das macht fertig. Oder wenn ich traurig bin, weil mir jede Perspektive abhanden gekommen ist oder der Schwung für neue Taten. Vor allem, wenn jemand stirbt, der mir viel bedeutet, brauche ich Trost.

Ist die Welt noch bei Trost?

Das geht Ihnen sicherlich auch so. Nicht immer, zum Glück, aber immer mal wieder. Wir brauchen Trost immer dann, wenn uns etwas verloren geht, das unser Leben ausgemacht hat: sei es die Heimat, sei es der Job, die Ehe oder eben ein Mensch. Und wenn ich die Nachrichten sehe, die sich meistens um Katastrophen drehen, frage ich mich: Ist die Welt noch bei Trost?

Foto: skeeze / pixabay.com

Foto: skeeze / pixabay.com

Ich habe zwei Arten des Trostes entdeckt. Die eine ist ein Mensch, der mich einfach seine Nähe spüren lässt. Vor dem ich mich nicht rechtfertigen muss. Die andere ist eine neue Perspektive, die ich gewinne. Das frustrierende Projekt sieht ein anderer Mensch mit ganz anderen Augen. Durch ein paar Sätze zeigt er mir: Es geht weiter.

Als ich die Jahreslosung 2016 das erste Mal las, fragte ich mich: Trösten Mütter eigentlich anders als Väter? Vielleicht sogar besser? Ich machte eine spontane, nichtrepräsentative Umfrage. Dabei hörte ich, dass manche Mütter viel zu beschäftigt waren, um zu trösten. Sie waren hart geworden. Das ist bedauerlich, sowohl für die Kinder als auch für die Mütter. Denn ich bin überzeugt: Eigentlich wollen sie trösten. Und sie können es auch. Durch den Propheten Jesaja sagt Gott diese großartigen Worte: „Ich tröste wie eine Mutter.“

Gott nimmt seine Kinder in den Arm und geht noch weiter…

Aber wie macht Gott das? Viele Bilder zur Jahreslosung zeigen Mütter, die ihr Kind tröstend im Arm halten. Die bildhafte Botschaft lautet: Gott nimmt seine Kinder in den Arm. Allein seine Nähe ermutigt. Seine Nähe hat er uns zugesagt – ganz besonders denen, die verzweifelt sind. Denen, die zerbrochene Herzen haben, ist Gott nah (Psalm 34,19).

Foto: TaniaVdB / pixabay.com

Foto: TaniaVdB / pixabay.com

Aber der Prophet Jesaja geht darüber hinaus. Gott handelt. Gott schafft neue Fakten. Gott wirkt mitten in dieser Welt. Und er kündigt es durch sein Wort an. Er vermittelt also nicht nur Nähe, er tut auch etwas bahnbrechend Neues. Er tröstet wie eine Mutter, die nicht nur pustet (das auch), sondern sich der feindlichen und lebensbedrohlichen Welt mit Tatkraft und Mut entgegenstellt und sie verändert.

Gott gibt Halt

Sehr interessant ist, woher das Wort „Trost“ kommt. Der DUDEN erklärt, dass es mit „treu“ zu tun habe, mit „innerer Festigkeit“, mit „stark und fest sein“. Wer tröstet, gibt Halt, Stärkung und Ermutigung. Er gibt etwas, woran man sich festhalten kann. Allen, die Trost brauchen, sei es hier und jetzt gesagt: Gott tröstet sie, wie einen seine Mutter tröstet. Er ist ihnen nahe und er schenkt ihnen Halt, einen festen Grund und eine neue Perspektive.

Foto: PublicDomainPictures / pixabay.com

Foto: PublicDomainPictures / pixabay.com

„Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“, fragt der Heidelberger Katechismus. Man könnte auch fragen: Was gibt dir letztgültigen Halt, innere Festigkeit und Orientierung? Und hier gibt dieser alte Text die Antwort: „Mein Trost ist, dass ich mit Leib und Seele Jesus gehöre. Das gilt im Leben und auch, wenn ich sterbe.“

Der allmächtige Gott tröste Sie durch Jesus Christus in der Kraft des Heiligen Geistes, der auch „der Tröster“ genannt wird.

Foto: Bund FeG

Foto: Bund FeG

Ansgar Hörsting, Präses Bund Freier evangelischer Gemeinden

Anmerkung: Dieser Text ist die gekürzte Fassung des Beitrags von Präses Ansgar Hörsting zur Jahreslosung.

Fotos: © medienREHvier.de / Anna-Janzen