Sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus!

Epheser 5,20

Ich weiß, dass ich Ihnen, lieber Leser, jetzt in den folgenden Zeilen sehr viel zumute. Ich ersuche Sie aber trotzdem einfach einmal darüber nachzudenken.

Warum nur?
Warum musste ausgerechnet jetzt ein Auto von rechts kommen, als das Handy klingelte und ich so dringend auf diesen Anruf gewartet hatte, ich mich meldete und abgelenkt wurde?
Warum muss ausgerechnet immer mir so etwas passieren?
Der Wagen ist nur noch Schrott!
Zum Glück wurde niemand verletzt.
Warum nur, warum ausgerechnet mir?

Tja warum wirklich? Sind wir da nicht vielleicht etwas unfair oder schieben jemand anderem die Schuld in die Schuhe? Passiert denn wirklich nur uns ein Missgeschick und sonst niemanden? Und dann gibt es Leute, die behaupten, wir sollten für so etwas auch noch dankbar sein!

Foto: barfexpressvlodrop / pixabay.com

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Dankbarkeit ist gar nicht so einfach

Es ist so eine Sache mit der Dankbarkeit. Es ist sehr leicht, für etwas dankbar zu sein, wenn uns jemand Gutes tut, uns beschenkt oder sonstige angenehme Gefälligkeiten erweist. Dann dankt es sich sehr leicht. Aber haben wir auch schon einmal darüber nachgedacht für etwas zu danken, das uns missfällt, ja uns vielleicht sogar Schaden zugefügt hat? Nein? Warum nicht? Es ist doch wirklich paradox, ja sogar Wahnsinn für etwas dankbar zu sein, das uns schadet. Ist das wirklich so?

Wer mich kennt, weiß vielleicht, dass mich eine biblische Person sehr fasziniert: Josef, der Sohn Jakobs. Was hat er nicht alles durchgemacht! Zwar war er Jakobs Lieblingssohn, doch dadurch fiel er bei seinen Brüdern in Ungnade, sodass sie Mordpläne gegen ihn schmiedeten. Letztendlich verkauften sie ihn an ismaelitische Händler. Er wurde nach Ägypten verschleppt, wo er anfangs als erfolgreicher Diener sehr geschätzt war, aber dann unschuldig mehrere Jahre im Gefängnis verbringen musste. Später, durch einen Traum, den er für den Pharao richtig deutete, wurde er zum ranghöchsten Mann in Ägypten. Als eine Hungersnot in der Region ausbrach, kamen seine Brüder nach Ägypten, um Nahrungsmittel zu kaufen. Josef vergab seinen Brüdern und rettete damit seine Familie vor dem Hungertod. Im Rückblick erkannte Josef, dass alles so kommen musste, um seine Familie am Leben zu erhalten.

Foto: jodylehigh / pixabay.com

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Vergebung und Annahme

Diese Geschichte bietet aber noch wesentlich mehr potenzial: Vergebung und Annahme. Josef vergab seinen Brüdern, die ihm übel mitgespielt, ja sogar Mordpläne gegen ihn gehegt hatten. Er nahm sein Schicksal an. Josef war dankbar, dass er „nur“ verkauft wurde, denn das rettete praktisch sein Leben. Wäre er nicht verkauft worden, hätten ihn seine Brüder wahrscheinlich getötet. In weiterer Folge, wäre vermutlich der gesamte Stamm Jakobs verhungert.

Glück im Unglück?

Wie oft hören oder lesen wir von jemandem, der durch irgendein Ungeschick ein Flugzeug verpasste, das dann abstürzte. Sollte dieser „Glückspilz“ nicht auch dankbar für dieses Ungeschick sein das ihm widerfahren ist, um diesen Flug zu versäumen und er nun weiterleben darf? Jetzt kommen wir der Sache schon näher. Wissen wir wirklich immer, was wofür gut ist? Wer weiß, was geschehen wäre, wäre es nicht zu diesem Unfall gekommen? Vielleicht war er „nur“ eine Notbremse. Eine Notbremse für noch Schlimmeres, bei dem wir vielleicht sogar erhebliche Verletzungen davongetragen hätten. Wenn wir das so betrachten, dann fällt es uns schon leichter dankbar zu sein. Leider wissen wir nicht immer, was wofür gut ist und beginnen sofort negativ zu denken.

Versuchen wir doch einmal Dinge, auch wenn sie noch so schlimm sind, positiv zu sehen. Josef erkannte, dass seine Brüder ihn sicher getötet hätten, wenn sie ihn damals nicht verkauft hätten. Dafür war er dankbar. Beispiele wie diesen Unfall gibt es tagtäglich sehr viele. Wir sollten sie immer überdenken, bevor wir uns negativ darüber äußern oder vielleicht sogar fluchen.

Vor allem aber sollen wir lernen, dankbar zu sein. Dankbar auch darüber, dass wir etwas dazulernen können. Es ist aber nicht immer nur das Wort „Danke“ das einen Unterschied macht, sondern Dankbarkeit sollte aus unserem Innersten – aus unserem Herzen entspringen. Wenn es nicht aus unserem Innersten kommt, sind es nur Worte, ohne jeglichen Sinn.

Foto: WikimediaImages / pixabay.com

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Von der anderen Seite betrachtet…

Wie bei Josef, kann nie etwas so katastrophal sein, dass Gott nicht etwas Gutes daraus machen könnte. Jeder Gegenstand hat zwei Seiten. Betrachten wir nicht nur die Vorderseite, die für uns klar ersichtlich ist, sondern sehen wir uns auch die Rückseite an, die beim ersten Anblick für uns verborgen scheint. Erst beide Seiten machen ein Ganzes. Nur eine Seite ist nur die Hälfte. Die halbe Wahrheit. Ist es nicht unser aller Bestreben, die ganze Wahrheit zu erfahren? Wer möchte denn nur die halbe Wahrheit wissen und dadurch belogen werden?

Gott ist es eine Ehre, uns zu helfen. Genauso freut er sich über unsere Dankbarkeit, die aus unserem tiefsten Innersten kommt. So wie wir uns freuen, wenn wir etwas schenken und der Beschenkte sich bei uns dafür bedankt, so freut sich auch unser Vater im Himmel. Ernten wir nie Dank, werden wir es uns gut überlegen jemanden zu beschenken.

Ich möchte uns ermutigen, dass wir Gott für alles danken, was geschieht, auch wenn es uns nicht gefällt oder widerstrebt. Unser Herr weiß es zu schätzen. 

Wolfgang Weidinger

Fotos: barfexpressvlodrop / pixabay.com
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