Viele Freie evangelische Gemeinden beschäftigen sich in diesem Jahr mit dem Jahresthema „3.16 weitersagen“. Auch unsere Gemeinde gehört dazu. In einer Serie nimmt sich FeG-Präses Ansgar Hörsting jede einzelne Aussage aus Johannes 3,16 vor, um sie zu erklären. Im zweiten Teil der Serie geht es um die Aussage „… hat Gott…“. 

Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Gott! Gibt es ihn überhaupt? Wenn nicht, warum reden dennoch alle von ihm? Nur deswegen, weil wir Menschen ihn erfunden haben? Und wenn es ihn gibt, wie ist er? Was tut er? Und wer sagt uns das? Ist er der „liebe Gott“? Oder der Richter-Gott? Schließt sich das aus? Oder kommt es beim Reden über Gott darauf an, dass es sich „richtig anfühlt“?

Gott – manche sprechen vom „höheren Wesen“, von einer Kraft, die allem innewohnt, andere wiederum von einem Gott unter vielen, oder von „Allah“.

Foto: aimeeimbeau / pixabay.com

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Wer ist Gott?

Gott – in der Bibel lernen wir ihn kennen als den Schöpfer des Himmels und der Erde, der allen Mächten überlegen ist, der die Menschen geschaffen hat, der ihnen nachgeht, obwohl sie sich von ihm getrennt haben. Gott, der wieder neu anfängt und mit Menschen in Kontakt tritt. Gott – der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Israel erwählt hat, sich in Israel offenbart hat, der redet, wirbt, zerstört, wieder aufbaut, ankündigt, zornig ist, gnädig ist.

Und dann kam der große Moment. Gott gab seinen Sohn. Seinen einzigen, einziggeborenen und geliebten Sohn, Jesus Christus. Ein Jude. Ein Israelit. Aus Nazareth. Vom Heiligen Geist gezeugt und von Maria geboren. Dieser Jesus sagte später: „Ich und der Vater sind eins.“ (Joh 10,30). Und: „Wer mich sieht, sieht den Vater.“ (Joh 14,9). Deswegen kann Paulus staunen: „In Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“ (Kol 2,9).

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist

Über das Miteinander von Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist hat sich dann in der Geschichte der Kirche ein langer Streit entwickelt. Wir schütteln über manche Auseinandersetzung heute den Kopf, aber die verhandelten Fragen sind in Gott und seiner Offenbarung angelegt.

Foto: Helga Brunsmann / medienrehvier.de

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Heute sagen wir: Ohne Jesus Christus können wir nicht mehr zutreffend über Gott sprechen. Wer „Gott“ sagt muss auch von Jesus sprechen. Das ist sicherlich eine Zumutung für den interreligiösen Dialog. Und es ist ein Affront an unsere „älteren Geschwister“, die Juden. Und es besteht kein Anlass für uns, von Gott arrogant oder besserwisserisch zu reden – im Gegenteil! Wir wollen bezeugen, wollen bekennen, was wir erkannt haben. Wir singen mit Martin Luther: „Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott“. Wir sprechen mit Blaise Pascal: „Wir kennen Gott nur durch Jesus Christus. Ohne diesen Mittler ist jede Verbindung mit Gott unmöglich.“

Der heilige Gott

Gott – bleibt der heilige Gott, den wir nicht in allen Dingen begreifen, der unser Schreien und unsere Fragen aushält, den wir nicht in unsere Formeln und unser systematisches Denken zwängen können. Er bleibt der Richter. Und ist doch in Jesus Christus erkennbar und nahbar. Er macht uns in Jesus nicht etwas vor und wäre dabei im Grunde doch ganz anders. Gott gibt seinen Sohn – und gibt sich darin selbst. Wer die Worte von Jesus staunend, glaubend, zweifelnd erfasst, der erfasst genug, um leben und sterben zu können. Und er hat sein ganzes Leben damit zu tun, sie tiefer zu erfassen. Daran erkennt man, dass Gott nicht Projektionsfläche unserer Wünsche ist, sondern Gott, souverän, großartig – eben Gott.

Dieser Gott gab seinen Sohn, damit alle, die an ihn glauben nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben. Aus Liebe. Großartig. Tief. Wir können gegen Gott schimpfen, ihn ignorieren, ihn für tot erklären, ihn lächerlich machen. Aber er hört nicht auf zu lieben, zu warnen, zu reden.

In Jesus Christus ist Gott! Das ist Kern des Evangeliums.

Foto: Bund FeG

Ansgar Hörsting, Präses Bund FeG; Foto: Bund FeG

Ansgar Hörsting ist Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden

Quelle mit freundlicher Genehmigung: CHRISTSEIN HEUTE 2/2015

Fotos: PublicDomainPictures / pixabay.com; aimeeimbeau / pixabay.com; Helga Brunsmann / medienrehvier.de; Foto: Bund FeG