Viele Freie evangelische Gemeinden beschäftigen sich in diesem Jahr mit dem Jahresthema „3.16 weitersagen“. Auch unsere Gemeinde gehört dazu. In einer Serie nimmt sich FeG-Präses Ansgar Hörsting jede einzelne Aussage aus Johannes 3,16 vor, um sie zu erklären. Im ersten Teil der Serie geht es um die Aussage „Denn so sehr …“. 

Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Vor einiger Zeit habe ich mit Freunden darüber diskutiert, wie man in der Familie oder als Ehepaar Zeit miteinander verbringt. Damals machte die These die Runde, es komme nicht so sehr auf die Länge (Quantität) der Zeit an, die man miteinander verbringt. Vielmehr sei die Art und Weise, wie man die Zeit füllt (Qualität), entscheidend.

Foto: SplitShire / pixabay.com

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Das leuchtete mir ein. Denn was bringt es, wenn Menschen einen Tag miteinander verbringen, diese Zeit aber als belastend oder belanglos empfinden oder jeder nur in sein Smartphone starrt? Das baut die Beziehung nicht auf. Später sagte mir jedoch jemand: Wenn sich die Art und Weise der Beziehung nicht auch in der Quantität der miteinander verbrachten Zeit auswirkt, wird es unglaubwürdig.

Qualität und Quantität

Das heißt: Der Sohn wird von der Qualität der Beziehung zum Vater nichts halten, wenn der Vater nicht auch mal so richtig ausgiebig Zeit mit ihm verbringt, sei es am Wochenende oder in den Ferien. Qualität und Quantität. Beide Dimensionen liegen in den ersten Worten in Johannes 3,16.

Gott liebt diese Welt. Er liebt sie in einer einmaligen Art und Weise (qualitativ) und auch in einer einmaligen Größe (quantitativ). Man findet beide Aspekte in den verschiedenen Übersetzungen dieser ersten Worte. Die einen betonen die Art, die anderen die Menge der Liebe. Und tatsächlich steckt beides drin. Gott liebt diese Welt nicht nur ein wenig und wohl dosiert, sondern überschwänglich und er liebt sie in einer ganz speziellen, einmaligen Art und Weise.

Quantität und Qualität seiner Liebe werden sichtbar in Jesus Christus. Darum geht es in Johannes 3,16.

Foto: Pokeychan / pixabay.com

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Gott liebt diese Welt. Das klingt zunächst nicht überraschend. Er hat sie ja geschaffen. Man könnte meinen, es sei schließlich sein Job, diese Welt zu lieben, oder? Wen soll das hinterm Ofen hervorholen? Gott liebt diese Welt – das klingt so allgemein, dass es fast schon belanglos erscheint.

Unendliche Liebe

In Johannes 3,16 erklärt Jesus, wie und wie sehr Gott die Welt liebt. Seine Liebe ist groß und sie ist tief. Später greift Paulus diese Dimensionen auf, als er den Ephesern schrieb, er bete für sie, damit sie „die Liebe Christi in allen ihren Dimensionen erfassen – in ihrer Breite, in ihrer Länge, in ihrer Höhe und in ihrer Tiefe.“ (Eph 3,18, NGÜ). Das ist Liebe, die tief reicht und die groß ist.

Foto: Alsen / pixabay.com

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Die Liebe Gottes, die er in Jesus gibt, ist einmalig und unvergleichlich. Das macht es manchmal so schwer, dafür Worte zu finden.

Ein festliches Mahl kann als Vergleich für diesen ersten Abschnitt von Johannes 3,16 hilfreich sein. Jeder, der einmal das Glück hatte, an einem wirklich festlichen Abendessen teilzunehmen weiß, es kommt auf sehr verschiedene Dimensionen an. Es muss gut sein, d.h. die Qualität muss stimmen. Es ist jedoch nicht schön, wenn das Essen zwar gut, aber nicht sättigend ist. Außerdem braucht es Zeit! Was ist das schönste Essen wert, wenn es heruntergeschlungen wird? Und es braucht die Vielfalt. Die Franzosen machen uns das vor mit den vielen, verschiedenen Gängen, die den Gaumen so vielseitig ansprechen. So ist Gottes Liebe.

Foto: HNBS / pixabay.com

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Denn „du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde … Du schenkest mir voll ein“, heißt es in Psalm 23. Im Reich Gottes werden Menschen aus allen Kontinenten sein, und zwar nicht im Warteraum, sondern an einem Tisch! (Lk 13,29). Wir sind zu einem Hochzeitsmahl berufen (Off b 19,9). Ich bin sehr gespannt auf dieses Mahl. Es wird unvergleichlich werden. So ist Gott. So liebt Gott. So liebt er diese Welt. So sehr. So tief. So einmalig. Wir können nur staunen.

Foto: Bund FeG

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Ansgar Hörsting ist Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden

Quelle mit freundlicher Genehmigung: CHRISTSEIN HEUTE 12/2014

 

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