Darum nehmt einander an, gleichwie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes!

Römer 15,7

Das sind starke Worte von Paulus an die Gemeinde in Rom. Es ist natürlich sehr leicht, jemanden anzunehmen, der uns sympathisch ist, den wir auf Anhieb mögen, aber wie ist es mit jemandem, der uns nicht zur Nase steht, den wir eher abstoßend finden. Ich habe da absichtlich ein Brandaktuelles Beispiel gewählt:

Wie ist es denn wirklich um unsere Einstellung zu den Flüchtlingen bestellt, die jetzt unser Land überfluten? Nehmen wir sie wirklich so an wie sie sind? Es ist sicherlich sehr schwer jemanden aus einem andern Land, mit einer andern Kultur und anderem Glauben anzunehmen und ihm die Hand zu reichen.

Genauso ergeht es aber auch den Flüchtlingen. Sie haben schlimmste Verfolgung und eine mörderische Reise hinter sich – abgezockt und ausgesaugt von den Schleppern. Sie sind hier in einem Land, dessen Kultur und Glauben sie nicht kennen. Sie wissen nicht einmal, was sie hier erwartet.

Sollten daher nicht wir auf sie zugehen, den ersten Schritt tun und sie annehmen so wie sie sind? Sollten sie nicht das Gefühl der Nächstenliebe, der Sicherheit und Geborgenheit erfahren?

Foto: Marco Lachmann Anke / pixabay.com

Foto: Marco Lachmann Anke / pixabay.com

Da gibt es aber auch noch Gruppierungen, die leider sehr radikal sind. Es sind die Rechtsextremisten. Ich frage mich, warum diese Menschen so eine ausländerfeindliche Einstellung haben. Es kommt mir so vor, als ob sie Angst haben: Angst vor dem Unbekannten, Angst, nicht zu wissen, wie sie sich verhalten sollen, Angst zu versagen, Angst um ihre Existenz.

Sollten wir uns nicht auch um diese Menschen kümmern? Was bringt es denn, diese Gruppierungen per Gesetz zu verbieten, sie überall auszugrenzen? Schürt das nicht neuen Hass? Sollten wir sie nicht eher annehmen so wie sie sind? Was hat den Jesus getan? Mit wem gab er sich denn ab? Mit den „Gesunden“ oder den „Kranken“.

Er ging zu Zöllnern und Steuereintreibern – damals der echte Abschaum – und reichte ihnen seine Hand. Schauen wir uns doch den Apostel Paulus an, als er noch Saul war: er war ein glühender Christenverfolger, dem das Leben eines Christen absolut nichts bedeutete. Er metzelte sie dahin, bis Christus ihm mit den Worten: „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ Apg. 9,4 und 22,7 persönlich erschien.

Das muss man sich einmal vorstellen: Jesus trat seinem glühendsten Verfolger entgegen, der seine Anhängerschar ausrotten wollte, einem richtigen Schlächter und gewann ihn für sich. Er nahm ihn an, so wie er war.

Ist das nicht fantastisch und sollten wir nicht auch so handeln wie Er? Es gibt da ein wunderbares Christliches Lied:

Jesus, zu dir kann ich so kommen wie ich bin,
Du hast gesagt, dass jeder kommen darf,
Ich muss dir nicht erst beweisen, dass ich besser werden kann,
Was mich besser macht vor dir, das hast du längst am Kreuz getan.
Und weil du mein Zögern siehst, streckst du mir deine Hände hin
Und ich kann so zu dir kommen, wie ich bin.

Ich weiß, dass es wirklich sehr schwer ist den ersten Schritt zu tun. Es erfordert oft eine sehr große Überwindung. Was aber haben wir letztendlich zu verlieren? Unser Ego, unseren Stolz, unseren Hochmut? Haben wir da wirklich etwas zu verlieren? Können wir nicht eher viel mehr gewinnen?

Geben wir uns also einen Ruck und reichen unsere Hand. Den Rest erledigt Jesus für uns, mit uns und durch uns. Aber reichen wir nicht nur unsere Hand, sondern auch unser Herz. Wir werden es tausendfach bedankt bekommen.

Foto: Franz P. Sauerteig / pixabay.com

Foto: Franz P. Sauerteig / pixabay.com

Sicher gibt es jetzt einige die sagen, dass es auch viele gibt die uns nur ausnützen möchten. Nehmen wir doch auch diese Menschen an so wie sie sind. Das ist wahrscheinlich am allerschwersten. Doch bedenken wir: Auch für diese Menschen ist Jesus am Kreuz gestorben, hat ihre Sünden auf sich ge- nommen und hat sie angenommen. Auch für diese Menschen lässt Gott die Sonne scheinen.

Heften wir uns also diese Jahreslosung 2015 ganz oben auf unsere Fahnenstange und nehmen uns einander an, sowie Jesus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes.

Amen

Wolfgang Weidinger

Fotos: Franz P. Sauerteig / pixabay.com, Marco Lachmann-Anke / pixabay.com