Die Landesflagge in Mali. Foto: nemo / pixabay.com

Die Landesflagge in Mali. Foto: nemo / pixabay.com

35 Sprachen werden in Mali gesprochen – neben der offiziellen Sprache Französisch. Die Bibel in diese Sprachen zu übersetzten ist eine wirkliche Herausforderung. Eine Herausforderung der sich Familie Apel stellt.

Im Sommer 2013 hat die Missionarin Regina Apel in unserer Gemeinde über ihre Arbeit in dem Westafrikanischen Land Mali berichtet. Sie und ihre Familie standen damals, nach einer Zeit in Deutschland, kurz vor der Wiedereinreise nach Mali. In einem Bericht vom letzten Sommer schreibt sie darüber , wie die Radioarbeit den Menschen in Mali die Bibel nahe bringt.

In einem neuen Bericht über ihre Arbeit berichtet sie darüber, wie die Übersetzung der Bibel in zwei der 35 Sprachen, die in Mali gesprochen werden, durchgeführt werden. Ein sehr aufwändiger Prozess. Aber lest selber:

Liebe Freunde in Augsburg,

Bibelübersetzung ist ein langer Prozess. Zuerst wird ein Übersetzungsentwurf erstellt. Dabei arbeiten im Fall der Boso-Sprachen Marko H., unser kanadischer Kollege, und zwei Malische Übersetzer zusammen. Yussuf T. und Modibo K. sind junge Männer, die ein Interesse an der Sprache haben, relativ gut gebildet sind und sich damit ein bisschen Geld verdienen möchten.

Die Paratext-Software ist speziell für die Bibelübersetzung entwickelt worden. Foto: Regina Apel

Die Paratext-Software ist speziell für die Bibelübersetzung entwickelt worden. Foto: Regina Apel

Sie erstellen mit Hilfe anderer Bibelübersetzungen einen Entwurf des Textes in den Sprachen Jenaama und Tigemaxo. Dieser Entwurf wird dann mehrmals überarbeitet. Wir sind froh über eine besondere Software, das Paratext Program, das speziell für die Bibelübersetzung entwickelt wurde. Es erlaubt Zugriff auf viele verschiedene Übersetzungen sowie Kommentare etc..

Wenn der Entwurf in Mali in den Computer getippt ist, wird er per Internet nach Kanada gesendet, wo Marko H. ihn überprüft, die biblischen Urtexte konsultiert und Fragen stellt. Wenn alle zufrieden mit dem Entwurf sind, wird er möglichst vielen verschiedenen Bososprechern vorgelesen, damit unerkannte Fehler und Verständnisschwierigkeiten erkannt werden können. Das nennt man „Test“ der Übersetzung.

Fehlern und Verständnisschwierigkeiten auf den Grund gehen

Anschließend werden die Bibeltexte, die überprüft werden sollen, ausgedruckt und einem „schriftlichen Rückübersetzer“ gegeben. Zwei Boso-Lehrer übersetzen den Text, der ihnen in ihrer Muttersprache vorliegt, ins Französische. Das ist ein weiterer Schritt um sicher zu gehen, dass der Text richtig verstanden wird.

Mit dieser französischen Übersetzung arbeitet nun der Übersetzungsberater, der für die Überprüfung zuständig ist. Er sieht den Text auf mögliche Fehler und Verständnisschwierigkeiten durch. Jetzt ist alles für die Überprüfung der Bibelübersetzung bereit.

Das Übersetzungsteam in Mali. Foto: Regina Apel

Das Übersetzungsteam in Mali. Foto: Regina Apel

Der Übersetzungsberater, der Übersetzer, Marko H. per Skype, unsere Kollegin Anne-Marie und einer von uns treffen sich mit zwei weiteren Boso-Sprechern. Zuerst wird der zu überprüfende Text im Zusammenhang des Abschnittes in Boso vorgelesen. Dann wird er Vers für Vers vorgelesen und einer der beiden Bososprecher übersetzt ihn ins Französische oder Bambara (es sind immer zwei mündliche Rückübersetzer, da nur wenige Menschen in Mali daran gewöhnt sind, lange mit dem Kopf zu arbeiten, und so kann man abwechseln, wenn einer müde ist).

Es ist Zeit, Fragen zu beantworten und zu klären, welche Nuancen ein Wort gegenüber dem anderen hat, wie wichtige Begriffe wie „Sohn Gottes“ am besten ausgedrückt werden etc. Die miteinander besprochenen Änderungen werden dann wieder in den Übersetzungsentwurf eingearbeitet und nun ist dieser Teil der Übersetzung offiziell „geprüft“.

251 Verse in einer Woche

In einer Woche wurden auf diese Weise 251 Verse überprüft, ca. vier Kapitel des Lukasevangeliums. Nun kann mit dem Text gearbeitet werden – beispielsweise stellen wir damit die Radiosendungen mit den übersetzten Texten her.

In diesen Wochen haben wir Apels einige wichtige Dinge zum Gelingen beigetragen: John hat alle Geräte geprüft und aufgebaut, insbesondere das Konferenzmikrofon für den Kontakt mit Kanada. Ich habe ein Budget aufgestellt, die Mittagessen und Frühstückspausen organisiert und am Ende jeder Woche alle Teilnehmer bezahlt. Außerdem habe ich bei manchen Tigemaxo-Sitzungen teilgenommen. Danke an euch alle, dass ihr gebetet habt und die Überprüfung der Übersetzung so aus Deutschland mit begleitet habt.

Familie Apel aus Mali in traditioneller Landeskleidung. Foto: Regina Apel

Familie Apel aus Mali in traditioneller Landeskleidung. Foto: Regina Apel

Wir vertrauen darauf, dass die Beschäftigung mit dem Wort Gottes auch die Herzen unserer Mitarbeiter berührt und dass sie sich für das Evangelium öffnen. Bitte betet weiter dafür, dass die Boso sich dem Evangelium öffnen und dass Gottes Wort in den Herzen all derer wirkt, die es durch die Radiosendungen hören.

Herzlichst,

eure John, Regina, Frederik und Phillip

Fotos: nemo / pixabay.com, Regina Apel