Gott nahe zu sein ist mein Glück!

Foto: MS - pixelpart.de

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Zum Glück ist zu mir noch nie eine Fee gekommen und hat mir gesagt, ich hätte drei Wünsche frei. Ich wäre vor lauter Nervosität ziemlich durcheinander.

Sicherlich wegen der Fee, aber vor allem, weil ich mich fragen müsste: Was wäre denn nun wirklich gut? Was wäre richtig, 100%, ausnahmslos gut? Die ersten zwei Wünsche könnte ich noch locker angehen, aber der letzte, der dritte, der müsste sitzen. Es ist nicht leicht zu sagen, was wirklich gut ist oder was Glück bedeutet. Es gibt Glücksforscher. Sie zerbrechen sich den Kopf darüber, wann jemand glücklich ist. Eins kann man mit Sicherheit sagen, dass jemand nicht dann glücklich ist, wenn alle seine Wünsche erfüllt sind.

Der Chefmusiker unter König David, ein Herr namens Asaf, war davon ausgegangen, dass es ihm gut geht, wenn er fromm ist. Das hatte er so gelernt. Er nahm die Sache mit Gott ernst. Aber er musste zuerst überrascht, dann neidisch feststellen: Da gibt es Leute, die nicht nach Gott fragen, denen geht es viel besser. Da gibt es welche, die lästern Gott und fragen nicht nach Gerechtigkeit und denen geht es blendend.

Matthias Mueller / churchphoto.de

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Asaf wird drastisch: Sie reißen ihr dreistes Maul auf, protzen mit ihren Klunkern und schieben ihren feisten Bauch durch die Gegend. Sie sind dabei noch gesund! Es schien, als hätten sie reichlich Vitamin „B“ wie Beziehung. Vielleicht zu solchen Feen, die einem Wünsche erfüllen. Er verstand es einfach nicht. Es zermürbte ihn. Seine ganze Frömmigkeit nutzte ihm nichts. Warum hatte er sich um ein reines Gewissen bemüht? Es schien völlig schnuppe zu sein. Die Rechnung ging nicht auf. Er wollte irre daran werden, verlor den Verstand und wurde bitter.

Fromm und bitter. Das ist keine gute Kombination. Begegnet mir aber bis heute immer wieder. Und bis heute tragen Neid und Bitterkeit nicht gerade dazu bei, klarer zu sehen.

Der Wendepunkt

Eines Tages kam der Wendepunkt. Er kam nicht, weil Asaf plötzlich alles verstanden hätte, wie das funktioniert mit Gott und dem Leben und dem Reichtum. Er konnte sich immer noch keinen Reim auf seine Beobachtungen machen. Die Gottlosen waren immer noch reich und gesund und feist und lasterhaft.

Helene Souza  / pixelio.de

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Der Wendepunkt kam, als er in Gottes Gegenwart kam, in den Tempel. Da ändert sich seine Blickrichtung und er bekennt (Psalm 73,23-28):

„Du hast meine Hand ergriffen und hältst mich. Du leitest mich nach deinem Plan und holst mich am Ende in deine Herrlichkeit. Wer im Himmel könnte mir helfen, wenn nicht du? Was soll ich mir noch wünschen auf der Erde? Ich habe doch dich. Auch wenn ich Leib und Leben verliere, du Gott, hältst mich, du bleibst mir für immer! Wer sich von dir entfernt, geht zugrunde, wer dir untreu wird, den vernichtest du. Ich aber setze mein Vertrauen auf dich, meinen Herrn …“ Und dann die Jahreslosung 2014: „… dir nahe zu sein ist mein ganzes Glück!“ (Psalm 73,28)

Asaf nahm sich vor: Ich suche nicht nach Gesundheit, Geld und Gutsein, ich suche nur Gott und seine Nähe. Luther übersetzte: „Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte.“ Das Wort „Glück“ in manchen Übersetzungen könnte so missverstanden werden, als ginge es um Glücksgefühle! Glücksgefühle sind schön. Aber wir füllen sie im 21. Jahrhundert manchmal mit zu hohen Erwartungen und wollen glücklich gemacht werden. Man kann auch übersetzen: Es ist gut, Gott nahe zu sein. Aber es ist unvergleichlich gut.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, wie sähe der aus? Wenn ich nur einen für das Jahr 2014 frei hätte, welcher wäre das? Der Psalm 73 gibt eine klare Empfehlung: Gott nahe zu sein.

Wie kann ich Gott nahe sein?

  1. Im Vertrauen auf Jesus bin ich Gott nah. Jesus hat Gottes Herrschaft auf die Erde gebracht. Er hat beseitigt, was mich von Gott entfernt hat, die Sünde. Durch ihn, im Vertrauen auf das gültige und wirksame Opfer, bin ich Gott nah. Alle seine Zusagen schenkt er mir. Das ist mein Glück.
  2. Durch Jesus – in seinem Namen – kann ich beten. Manchmal fühle ich mich ausgelaugt und träge, oder wie ein ausgetrockneter Schwamm, einfach ohne Leben. Wenn ich bete, manchmal auch mit anderen zusammen, dann kehren Gottes Kraft und seine Gegenwart wieder ein. Warum rede ich so viel mit allen Möglichen, aber so wenig mit Gott? Ich kann beten, das ist mein Glück.
  3. Sein Wille für mein Leben ist gut! Seine Wege sind vollkommen (Psalm 18). Wenn ich die gehe und wenn ich tue, was er mir klar gemacht hat, dann bin ich ihm nah. Zwar lebe ich genauso von Vergebung wie immer, aber ich erfahre: es ist mein Glück, seinem Willen gehorsam zu sein.
  4. Was hat Gott mir alles geschenkt! Und er hat mich ganz individuell ausgestattet mit Gaben. Wenn ich die praktiziere, wenn ich sie in einer gewissen Einseitigkeit und mit Begeisterung lebe, dann bin ich Gott nah. Das ist keine Belohnung, es ist einfach eine Folge. Die Gaben zu leben und das weg zu lassen, was nicht zu mir passt, das ist Glück.
  5. Und dann gibt es viele individuelle Wege, wie Menschen Gottes Nähe erleben. Die einen singen, die anderen forschen, wieder andere arbeiten praktisch. Die einen pflegen Gemeinschaft, andere suchen die Einsamkeit. Die Vielfalt ist groß, weil wir alle sehr unterschiedlich sind – zum Glück!

 Mehr als nur Glück

Marianne J.  / pixelio.de

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Es klingt exklusiv, was Asaf da betet: „mein ganzes Glück!“. Ich kenne das Glück ja auch anders, zum Beispiel in kleinen Momenten des Alltags, wenn die Sonne den neuen Tag ruft und ich mit einer Tasse Kaffee auf der Terrasse sitze, oder wenn ich mit meiner Frau einen unbeschwerten Moment erlebe und das Glück des Vertrauens genieße. Ach es gibt noch viele andere Momente: beim Wandern, beim Essen, mit Freunden. Ist das nicht auch Glück? Doch, das ist es und ich hoffe, das neue Jahr hat viele solcher Momente bereit. Auch dann bin ich Gott nah. Aber das Besondere an der Jahreslosung ist, dass es mehr gibt. Auch wenn all das nicht mehr existieren sollte, gibt es einen Ort des Glücks. Wenn mir alles zwischen den Fingern zerrinnt, bleibt Gott bestehen. Er hält mich! Er ist und bleibt mein Glück. Es ist meine bleibende Freude, dass ich mich zu Gott halte und dass er mich hält. Es ist mein wahres Glück, ihm nahe zu sein.

Dieter Schütz / Pixelio.de

Dieter Schütz / Pixelio.de

Vielleicht liegt das im Moment sehr weit von Ihnen weg, aber für viele andere wird es der Haltegriff sein, den sie brauchen. Wenn die Krankheit das Leben zermürbt, dann brauchen wir diesen Halt. Wenn das Glück hier vergeht – und das kann schnell passieren – dann haben wir ein anderes Glück. Wenn wir uns auf das Leben keinen Reim machen können, weil wir den Job verlieren oder ein Kind oder ein anderes Glück, dann brauchen wir Gottes Nähe. Sein Wort hält, was es verspricht. Sterbende wissen das. Mitten im Leben Stehende auch. Mein Glück ist, Gott nahe zu sein.

Bund FeG

Bund FeG

Ihr
Ansgar Hörsting (Präses Bund der Freien evangelischen Gemeinden)

Foto: Heinke Rauscher

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